Fortschrittlich

Sie geht den geschotterten engen gewundenen Pfad entlang und trägt einen großen Weidenkorb voller Schätze aus dem Garten und der Natur darin.
Kräuter wie Schafgarbe, Ringelblume und einige verschiedene Pilze, aber auch wunderschöne Dahlien in den schönsten Herbstfarben sind darin zu finden.

Sie war heute schon früh unterwegs.
Zuerst ist sie in den Wald gegangen und danach war sie noch in ihrem Garten um die letzten Tomaten, Gurken und reifen Kürbisse zu ernten.


Nun macht sie sich auf den Rückweg, um alles schnell zu verarbeiten.
Einiges will sie trocknen, anderes einlegen und ansetzen.

In Gedanken sucht sie schon die passenden Gefäße zusammen, in denen sie dies tun kann,  als sie von weitem ältere Damen miteinander reden hört:
„…Ne, also letzte Woche war es besonders schlimm! Gar nicht schlafen konnt ich ! Ich glaub ja, das liegt am Wetter und dann war ja auch noch Vollmond!“

Lächelnd geht sie auf die beiden Frauen zu und grüßt sie freundlich.
Sie denkt sich,“ Ja die älteren Damen, die sprechen aus Erfahrung. Die merken selbst, wie sehr wir mit der Mondin und den Jahreszeiten verbunden sind.

Auch wenn wir uns „fortschrittliche Menschen“ nennen und schon lange nicht mehr in Höhlen oder Zelten aus Tierhäuten leben, so sind und bleiben wir dennoch ein Teil von Mutter Erde und leben nach wie vor in der Symbiose mit dem Licht.

Auch wenn diese Damen mich vielleicht belächeln für meine Ansichten, so sind wir uns doch einig, dass die Mondin auf alle Lebewesen und besonders auf uns Frauen eine starke Wirkung hat.

Deshalb habe ich ja auch die Kräuter jetzt bei abnehmendem Mond gesammelt.

Auch die Jahreszeiten haben ihre Wirkung auf unseren Körper, auf unser Gemüt.

Bald ist Samhain, das Hexensilvester. Unsere Ernte ist eingeholt und die Tage werden immer kürzer. Das Licht verschwindet und die dunkle Zeit beginnt.

Zeit der weisen Frau und des weisen Mannes in uns, die all die verschiedenen archaischen Seelenanteile, die ich im Laufe dieses Jahres gelebt habe, in mir vereint.
Rückblicke, Reflektion, sind jetzt wichtig, damit ich im Winter nicht verzweifle. Dann, wenn die Percht mit ihrem Gefolge aus der Unterwelt unterwegs ist.“
Zu Hause angekommen stellt sie ihren Korb ab und wird von ihrem Kater begrüßt. Auch die Hunde kommen angelaufen und wollen zärtlich gestreichelt werden.

Sie stellt den Korb auf den Tisch und macht sich an die Arbeit.
Dabei summt sie ein Lied, dass sie seit Kindertagen an in ihrem Herzen trägt.

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